Machen

Machen

Häckchen und Momentchen

Über die Freude am Schaffen und die Kunst, das Leben dazwischen nicht zu verpassen.
Gut bei Hektik und innerem Leistungsdruck um den Antreiber zu relativieren und sein Maß wiederzufinden.

Worum geht es?

Wer kennt das nicht? Der Tag liegt vor uns, die Aufgaben sind klar, die Prioritäten gesetzt. Und trotzdem entsteht eine innere Unruhe, ein selbst auferlegter Erledigungsdruck. Wir wollen möglichst schnell vorankommen, um sicherzugehen, dass wir alles schaffen. Unbewusst versuchen wir, durch Geschwindigkeit Sicherheit herzustellen – und glauben, uns erst zurücklehnen zu können, wenn alles erledigt ist.

Dabei entsteht ein merkwürdiger Widerspruch: Wir möchten unser Leben gut gestalten, aber vor lauter Zielorientierung verlieren wir manchmal die Offenheit für das Leben selbst. Ein unerwartetes Gespräch, eine spontane Begegnung oder ein kleiner schöner Moment erscheinen plötzlich als Störung. Wir sind so sehr mit dem nächsten Häkchen beschäftigt, dass wir die Momentchen übersehen.

Dabei geht es keineswegs darum, weniger zu leisten oder auf Ziele zu verzichten. Die Freude am Schaffen, am Gestalten und am Erledigen ist genauso wertvoll wie die Freude an Begegnungen, Überraschungen und kleinen Momenten der Verbundenheit. Entscheidend ist die Fähigkeit, bewusst zwischen konzentriertem Streben und offener Empfänglichkeit zu wechseln. Mal voller Energie in eine Aufgabe eintauchen, mal den Blick weiten und sich vom Leben überraschen lassen. Genau von diesem Wechsel handelt der Song.

Die Gedanken dahinter

Edward Deci und Richard Ryan – Wirksamkeit, Verbundenheit und Autonomie

Die Begründer der Selbstbestimmungstheorie beschreiben drei grundlegende psychologische Bedürfnisse: Kompetenzerleben, soziale Eingebundenheit und Autonomie. Wir möchten uns als wirksam erleben, etwas gestalten und voranbringen. Gleichzeitig brauchen wir Begegnung, Austausch und Verbundenheit. Autonomie bedeutet dabei, selbstbestimmt und im Einklang mit unseren Werten handeln zu können – und damit auch bewusst zu wählen, welchem Bedürfnis wir gerade Raum geben.

Hartmut Rosa – Resonanz statt ständiger Verfügbarkeit

Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt, wie unser Streben nach Kontrolle, Planbarkeit und Verfügbarkeit unsere Beziehung zur Welt verändern kann. Je stärker wir versuchen, alles effizient zu organisieren, desto leichter erscheint uns das Unerwartete als Störung. Dabei entstehen gerade in ungeplanten Begegnungen jene Resonanzräume, in denen uns etwas berührt, überrascht oder verändert. Wer nicht ständig mit Scheuklappen unterwegs ist, bleibt empfänglich für diese besonderen Momente.

Oliver Burkeman – Die Illusion, irgendwann alles erledigt zu haben

In 4000 Wochen – Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement hinterfragt Burkeman unsere Vorstellung, durch immer bessere Organisation irgendwann alles im Griff zu haben. Die Aufgaben werden niemals vollständig verschwinden, und es wird immer offene Gestalten geben. Wir dürfen uns über jedes Häkchen freuen, sollten unser Wohlbefinden aber nicht davon abhängig machen, irgendwann mit allem fertig zu sein.

Jon Kabat-Zinn – Zwischen Doing und Being

Die Achtsamkeitsforschung unterscheidet zwischen einem zielgerichteten Doing Mode und einem gegenwartsorientierten Being Mode. Der erste hilft uns, Aufgaben zu lösen und Ziele zu erreichen; der zweite ermöglicht es, den Augenblick wahrzunehmen, ohne ihn ständig verändern zu wollen. Problematisch wird es, wenn wir ausschließlich im Doing Mode leben und die Gegenwart nur noch als Durchgangsstation zum nächsten Ergebnis betrachten.

Mihály Csíkszentmihályi – Die Freude am vollständigen Eintauchen

Der Psychologe Csíkszentmihályi erforschte den Flow-Zustand: jene Momente, in denen wir so sehr in einer Tätigkeit aufgehen, dass wir die Zeit vergessen. Gerade darin zeigt sich, dass konzentriertes Arbeiten keineswegs im Gegensatz zu Lebensfreude steht. Entscheidend ist, ob wir mit Freude ganz bei unserer Tätigkeit sind oder innerlich bereits auf deren Ende warten.

Ein Moment. Eine Perspektive. Vielleicht ein anderer Blick.

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